Tagebuch einer Zeitreise
Tag 4, Freitag 03. Juli
Eine Straße sei eine gefährliche Sache, sagt Bilbo Beutlin, denn man kann nie genau sagen wo sie einen hinführt. Unsere führte frühmorgens in eine Menge von Gutauer Gemeindebediensteten, denen wir erstmal die Pforten zu ihrem Gemeindeamt öffnen mussten ... den Schlüssel hatten wir bekommen, um nächtens nicht zur Düngung der Grünanlagen beitragen zu müssen.
Anfangs schlaftrunken waren Zelte und Taverne dann doch schnell abgebaut. Gegen acht kamen dann auch Jürgen und Conny, unsere Kutscherin für die letzten zwei Tage, und Oskar, von dem Jürgen behauptet, er sei das hässlichste Pferd, das er je gesehen habe, aber auch das verlässlichste. Natürlich können wir dem mitnichten zustimmen, ein fesches Pferd ist er.
Rabans Fuß-Situation
Die schlechte Nachricht des Morgens war, dass Rabans Fußsituation trotz Fasche und Pferdesalbe nicht besser geworden war, sondern sich so weit verschlechtert hatte, dass er nicht auftreten konnte.
Da Raban nun einmal Raban ist, fruchteten unser aller Überredungsversuche zum Arzt zu gehen nicht. Erst ein eheliches Machtwort Finjas führte zu einem leisen „na gut".
Dass der Fußgelenk dick geschwollen und jeder Versuch aufzutreten zu verhaltenen Schmerzenslauten führte focht ihn nicht an.
Also wurde er nach dem Frühstück zum Arzt gefahren und unsere Wandergruppe bestand fürs erste nur mehr aus Manuela, Jakob, Conny und Oskar, der sich vor Arbeitsdrang kaum halten konnte. Dem wollten wir uns natürlich nicht entgegenstellen und begaben uns voller Tatendrang auf den Weg. Das Wetter war etwas verhalten, aber solange das Verhalten keine Gewitter beinhaltete, fanden wir, konnten wir uns damit anfreunden.
Autogrammstunde
Was uns verwunderte war, dass wir verhältnismäßig heftigem Verkehrsaufkommen begegneten. Diese Gelegenheit nutzten wir natürlich um den Vorbeistrebenden Einladungen aufzudrängen, Dank der Mädels
uferte das einmal sogar in ein regelrechtes Photoshooting mitten auf der Straße aus.
Lustig ist das Zigeunerleben, faaaaariiiiiaaaa.
So zuckelten wir dahin, leicht bergauf und bergab, bis wir zu Mittag an der Aist eine gemütliche Mittagspause einlegen konnten, wo ein weiterer Phototermin anstand - ein Vorbeifahrender drehte auf
der Straße um, um sich mit den Damen ablichten zu lassen.
Wir hätten Autogrammkarten mitbringen sollen.
Auch Jürgen kam des Weges und brachte etwas Proviant, bevor wir uns der nächsten Herausforderung näherten: Der Steigung nach Bad Zell hinauf, vier Kilometer Bergwertung, an der Oskar seine Energie verausgaben konnte. Gerade eben machbar, meinte Jürgen, dank mehrerer Möglichkeiten auf Parkplätzen stehen zu bleiben und Kraft zu sammeln. Als Belohnung winkte dann aber in Erdleiten, vier kilometer vor Bad Zell, die Küche des Gasthof Ratzenböck, die auch wir weiterempfehlen können - die Mühlviertler Almpfanne war phänomenal.
Oskar graste, derweil der Wirt von uns alles über das Hexentreiben und unsere Zeitreise erfahren wollte. Er meinte, er würde seinen ganzen Stammtisch zum Hexentreiben schicken. Werbeauftrag erfüllt, Mägen ebenfalls, alles gut.
Oskar läuft, Raban nicht mehr
Inzwischen hatten sich auch Raban und Finja wieder zu uns gesellt, der Fuß ist nur angeschlagen und braucht Ruhe, also Geh- und Herumspring-Verbot für Raban. So spannten wir wieder an und ließen Oskar, der zu aller Verwunderung immer noch Energien über hatte, vor und zogen Richtung Bad Zell.
Am Weg erlebten wir dann den zweiten Regenguss der Reise und sahen den abendlichen Auftritt schon ins Wasser gefallen, bald nach unserer Ankunft am Badeteich verzogen sich die Wolken jedoch und wir begannen das Lager aufzubauen, nachdem wir den Teich in seiner eigentlichen Funktion genutzt hatten - Schwimmen im Regen: der andere Badespaß.
Wie uns die Einheimischen später am Abend berichteten, hatte es schon seinen Grund, dass der Teich so unberührt schien - er sei nämlich von Blutegeln besiedelt. Seltsamerweise begannen wir relativ panisch nach „Mitbringseln" zu suchen, waren von Mitessern allerdings verschont geblieben. Die teilweise aufgetauchten mitternächtlichen Nacktbadeideen (der Damen, sei hier angemerkt) waren damit gestorben.
Malerisches Konzert am See
Um Rabans Fuß nicht vollkommen zu zerstören beschlossen wir nun, unser Publikum zu uns zu bringen und als Ausgleich für den weiteren Weg auch ein bisschen Handwerk zu zeigen. Da wir für diesen Tag ohnehin Gemüsesuppe auf der Feuerschale kochen wollten, gab's auch durchaus etwas zu sehen. Unser Aufenthalt wurde schnell zu einem richtigen Mini-Markt, Roland nutzte die Kutsche, um den Besuchern Met und Honigbier vorzustellen, zwei Rhiannonsche Konzerte vor über hundert Besuchern waren dank der malerischen Szene ein echtes Erlebnis.
So zog sich der Abend mit Besuchern dahin, zuletzt saßen auch noch einige Jugendliche mit an unserem Lagerfeuer, bis wir gegen zwölf die allgemeine Nachtruhe verkündeten.
Alles in allem ein guter, erfolgreicher Tag, an dem wir eine richtige Menschenmenge zur guten Seite der Macht bekehren konnten - die Darsteller beim Hexentreiben dürfen sich auf interessiertes Publikum freuen.
Morgen kommt die letzte große Hürde, der Anstieg nach Rechberg.
Zu hoffen ist, dass Oskar sich so schlägt wie heute. Falls es zu schwer werden sollte, werden wir - sagt Jürgen (der nicht von uns lassen kann und sich auch am abendlichen Lagerfeuer wieder
eingefunden hat) - gezwungen sein, den Wagen mit dem Auto ein Stück weit zu ziehen. Aber besser geschummelt als ein Pferd ruiniert, sagt er. Uns soll's Recht sein, unbeschadet in Rechberg anzukommen
ist, worauf es jetzt am Ende unserer Reise am meisten ankommt.
Es wünscht euch eine gute Nacht und: bis morgen.
Euer Autor.