Tagebuch einer Zeitreise
Tag 3, Donnerstag 02. Juli
Eurer Autor, liebe Leser, würde Euch jetzt gerne Lügengeschichten über CIA Verschwörungen und Entführungen durch Außerirdische erzählen. Eine gute Lügengeschichte ist ja besser als eine schlechte
Wahrheit, wie wir wissen.
Aber, leider, es war ein schöner, gemütlicher, entspannender Reisetag.
Bürgermeister zu früher Stund?
Natürlich aber nicht ganz ereignislos - sonst wäre es wohl keine unserer Reisen. Gegen sechs Uhr morgens ging der erste Wecker los, da Manuela den für den frühen Morgen geplanten Phototermin mit dem Freistädter Bürgermeister im Kopf für 7:15 angesetzt hatte und die vom Vortag immer noch erschöpfte Mannschaft heraustrommelte. Finja korrigierte das auf 8:15, woraufhin sich alle wieder in die Betten verzogen um einige Minuten Morgenschlafs herauszuschinden.
Gegen halb acht kam dann aber doch Leben in unser kleines Lager und zwar in Form von verwunderten Freistädtern, die bei der morgendlichen Hunderunde durch den Park im alten Wassergraben auf unsere Zelte stießen.
Jürgen ging um Hombre abzuholen, derweil der Rest der Mannschaft photogen und bester Laune am Marktplatz mit dem inzwischen eingetroffenen Bürgermeister auf die beiden wartete.
Zehn nach acht: Hombre und Jürgen traben sportlich über den Hauptplatz, Jürgen mit einem gestressten Grinsen: Hombres Gastgeberin hatte ihre Kinder in die Schule gebracht und er vor verschlossener
Tür gestanden. Aber alles gut, eingespannt sei schnell, das ginge schon.
Sprachs und lief in Richtung Graben.
Geschirr-Wechsel
Zehn Minuten vergingen. Zwanzig. Kein Hombre, keine Kutsch, kein Jürgen.
Da erreichte die Nachricht die Photocrew: Wir haben zwar eine neues Geschirr, das von Jürgens Vater morgens gebracht worden war, dieses sei jedoch zu klein: Hombre kann es zwar tragen aber keinen
Wagen ziehen. Ein drittes Geschirr wäre notwendig, das nicht nur auf Pferd sondern auch auf Wagen passte.
Da das Bürgermeisterphoto unbedingt mit Pferd und Wagen stattfinden sollte, wurde also der Termin auf den späteren Vormittag verschoben. Zeit für Ausbesserungsarbeiten und einige der Handarbeiten, die wir uns ja als brave Reenactor mitgenommen hatten.
Gegen Zehn war endlich alles einsatzbereit und der Bürgermeister, der uns mit, man muss fast schon sagen, Begeisterung empfangen hatte, bekam seine Photos, unterschrieb das Pergament und gab noch einen aus. So stellt man sich einen Bürgermeister vor.
Mit reduzierter Mannschaft brachen wir nun auf: Astrid und Sonja konnten uns aus Arbeitsgründen nicht weiter begleiten, Max war bei dem Gewaltakt im Wald umgepöckelt und konnte kaum auftreten, würde heute Roland Heinzle beim Auf- und Abbau der „Taverne zum wilden Wikinger" helfen. Cordula, Corvina, Manuela, Jürgen, Jakob und Hombre brachen also in strahlendem Sonnenschein zur nächsten Wegstrecke auf.
McDrive mit der Kutsche
Die kurz war. Wir hatten den ganzen vorigen Tag schon herumgewitzelt, dass wir in Freistadt im McDonalds Drive In einkehren und uns mit Kaffee versorgen würden.
Trotz des ausgiebigen Frühstücks konnten wir uns diese Gelegenheit also nicht entgehen lassen. Erst wollte uns das ziemlich überraschte Personal nichts geben, da wir zu Fuß seien und ins Restaurant kommen müssten - die Kutsche glaubten sie uns Anfangs nicht wirklich, unser Angebot gerne mit Pferd hineinzukommen schien sie dann aber doch überzeugt zu haben und wir zogen mit Eis und Kaffee von dannen.
Vergnügliche Landfahrt
Es folgte eine vergnügliche Landfahrt, da es eben dahin ging konnten alle auf dem Wagen mitfahren, selbst Hund Corvina war noch müde genug um gegen die Fahrt auf dem Kutschbock nichts einzuwenden.
Erst kurz vor Kefermarkt mussten alle mit anschieben, um den Wagen über einen Hügel hinauf zu bekommen, der Angstgegner des Tages lag aber erst vor uns: Ein steiler Anstieg über einige Kilometer
Länge, der eine Herausforderung darstellen würde.
Vorher setzten wir jedoch die Mittagspause an, um Hombre und uns selbst noch einmal richtig aufzupäppeln.
Auto vor Kutsche
Zufällig des Weges kam nun ein Bekannter Jürgens, Hans mit Namen, weißhaarig aber rüstig, der uns Gesellschaft leistete. Als er hörte was wir noch vor hätten, bot er an mit Jürgen einen möglichen leichter zu gehenden Weg auszuforschen.
Eine halbe Stunde später war geklärt, dass der Anstieg sowohl auf der Hauptstraße als auch auf der alternativen Route mit nur einem Pferd nicht zu bewältigen wäre. Also würden wir folgendes tun:
Hombre würde ausgespannt, dem Wagen Hans' Auto vorgespannt. Jakob als Lenker zur Bedienung der Anse in den Kofferraum, der Rest der Mannschaft auf die Kutsche und Hombre am Halfter hinterher.
In dieser Konstellation rumpelten wir also bergauf und konnten - anstatt wieder am Ende unserer Kräfte an unserem Ziel anzukommen - angenehm angestrengt aber rechtzeitig in Gutau eintreffen, wo uns die ganze Gemeinde gastfreundlichst empfing. An der Spitze der Bürgermeister, der uns höchst selbst herumführte.
"Tränke zum wilden Wikinger" motiviert
Besonderer Erwähnung bedürfen an dieser Stelle die herausragenden Kochkünste von Roland Heinzle, die allein schon als Anreiz für einen ganzen Tag Marschierens ausreichen. Heute gab's Fleisch und Kräuter-Käseknödel mit frischem Sauerkraut, gefolgt von einem Platzkonzert der Rhiannons, Finja und Raban, zum ersten Mal auf dieser Reise mit großem Publikum.
Morgen werden uns Jürgen und Hombre verlassen, wir bekommen ein neues Pferd und eine Kutscherin. Wird sicher spannend und lustig.
So wünscht euch euer Autor erschöpft aber glücklich eine gute Nacht, liebe Leser.
Fortsetzung folgt.