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Tagebuch einer Zeitreise

Tag 1, Dienstag 30. Juni 2009

England hat Dr.Who - wir haben den Max. Dafür fallen uns Österreichern Zeitreisen etwas leichter, anstatt einer als Telephonzelle getarnten Zeitmaschine reichen uns selbstgemachte Gewandungen, ein selbstgebauter Wagen, ein Pferd und ein Haufen Musikinstrumente.

 

Natürlich war es unvermeidbar wieder nach Rechberg zum Hexentreiben zu wandern. Das hätten wir uns ja denken können, werden all jene, die die letztjährige Expedition (die die unerschrockenen Rhiannons mit Esel Pedro von Linz aus zum Hexentreiben führte) verfolgt haben, denken.
Ja, da habt ihr nicht ganz unrecht, Leute.

 

Also hat's uns wieder hinaus getrieben, diesmal nach Norden. Von Vissy Brod in Tschechien wandern wir über größere Orte und kleinere Weiler süd- und ostwärts, die frohe Botschaft auch ordentlich unter die Leute zu bringen.


Zu siebt begann die Wanderung in Vissy Brod, gegen Zehn Uhr Vormittag, diesmal mit zwei Rhiannons, Finja von Ungnad und Raban der Pfeyffe (sowie dem ganz, ganz neuen Bandmitglied - auf einigen Photos schon gut zu erkennen) Sonja die Photographin, Astrid die Färberin, Jürgen der Kutscher, Jakob und Manuela von der Glesum Sippe und, der wichtigste, Hombre, rumänisches Warmblut und Beförderer all unserer Ausrüstung.

 

Vissy Brod ist den meisten wohl als der Ort bekannt, an dem man am Weg nach Krumau alles vom Gartenzwerg bis zur geblümten Rosenkugel am Straßenrand käuflich erwerben kann. Aber das täuscht. Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass es auch holländische Mühlen (vermutlich aus Taiwan) und Chinesische und andere Drachen (sicherlich aus anderen interessanten Ecken der Welt) gibt, aber selbstverständlich nehme ich auf das Kloster Bezug, in dem unser Zug seinen Anfang nahm.

 

Schöne Anlage, leider teilweise in verbesserbarem Zustand, mit gotischer Kirche, schönen Toren und eigentlich sehr schöner Lage. Es wäre erfreulich wenn sich da in den nächsten Jahren ein Grund zur Renovation fände, um die ausgesprochen ansprechende Anlage in den ursprünglichen Zustand versetzt besuchen zu können.

Aber zurück zur Wanderung: Wagen abgeladen, Plane auf-, Hombre vorgespannt. Angezogen.


Und schon ein erster Gegner für Hombre, das Tor - schwarz, beängstigend, und - oh Graus - dahinter etwa vier Müllkübel.
Dass man sich als vernünftiges Pferd da so seine Gedanken macht und den Sprung in die Gefahr für Leib und Leben nicht ohne genaue Beäugung vornimmt wird jeder einsehen. Die auf einer Koppel jenseits dieses Höllentores fröhlich - man kann es nur herumhüpfen nennen - Pferde waren dann aber doch Grund genug, das Hindernis zu überwinden, woraufhin sich der ganze Tross in die Stadt hinunter in Bewegung setzte.

 

Der Plan war, auf dem - ebenfalls sehr schönen - Stadplatz nach einem kutschentauglichen Weg abseits der reichlich befahren Bundesstraße zu fragen. Praktischerweise gingen in dem Moment unseres Eintreffens zwei Exekutivbeamte ihrer Pflicht nach, denen wir unsere Frage gleich aufdrängen konnten.

 

Ob Deutsch gesprochen würde, war die Frage. Ja freilich, ein bisschen.
Sehr freundlich.
Wir wären auf der Suche nach einem Weg abseits der Bundesstraße nach Österreich.
Hm, meint der freundliche Beamte, also da vorne das wäre die Konditorei.
Heisst das so?
Ja, es heisst.
Also die Konditorei. Davor die Kreuzung, etwa 20m von den Sprechenden entfernt, sei die Konditoreikreuzung.
Aha, gut. Und wo entlang?
Dort gerade aus (auf die Bundesstraße deutend), etwa acht Kilometer sei es bis Österreich, gar nicht weit also.
Nochmals aha, schließlich haben wir vor weniger als zwei Stunden diese Strecke automobilistisch bewältigt und durchaus kritisch beäugt ob wir da auch wieder hinauf müssten.

Wir müssen, wie uns dann auch ein Blick auf die Karte bestätigt.
Immerhin, die Polizisten waren sehr freundlich. Und etwas deutsch konnten Sie auch.

Sehr erfreulich, sowas.

 

Und so machten wir uns auf, der erste Schritt jeder Odyssee, gemäß dem literarischen Vorbild noch vor dem Verlust der Unschuld. Der literarischen, wohlgemerkt. Jeder anderweitig Unschuldige wäre wohl den chinesischen Gartenzwerg- und Qualitätsteppichhändlern gänzlich hilflos ausgesetzt.


Allerdings ähnelt auch unsere Reise dem literarischen Vorbild in mehr als einer Hinsicht, folglich ging die Unschuld in einem unerwartet sumpfigen Bach, in welchen der Autor die von der Hitze benachteiligten Hundetiere Calzino und Corvina wassern wollte, nur um sich zum allgemeinen Gaudium knöcheltief im Schlamm wiederzufinden. Manche Dinge sind wohl Schicksal.

 

Von dort aus an sehr erstaunten Zöllnern der tschechischen Seite, die offensichtlich nicht wussten was sie mit einem Pferdewagen und einer Handvoll mittelalterlicher Wanderer anfangen sollten, vorbei zurück ins Österreichische, bis wir nach kurzen dreizehn kilometern Bad Leonfelden erreichten, wo uns nette Gesichter, ein netter Stadplatz aber kein Bürgermeister erwartete, der etwas besseres zu tun hätte, wie wir erfragen konnten.

 

Schade, ein Ständchen hätten wir ihm schon gerne gebracht.
Also begaben wir uns nicht sehr eiligen, dafür beschwingten Schrittes an einen freundlicheren Ort, nämlich der „grünen Weide", einem Reitgasthof am Weg nach Reichenthal, unserem Tagesziel.
So schön wars da daß Hombre sich par tout weigerte auch nur einen Schritt von dort weg zu gehen, erst nach ausgiebigen Diskussionen war er dann doch bereit die letzten acht Kilometer mit uns zu kommen.

 

Dieser Aufbruch war von einem heftigen Wolkenbruch begleitet, der erst wenig Begeisterung hervorbrachte, sich dann aber schnell von leichtem Nieseln zu hellem Sonnenschein entwickelte und in einem zauberhaften Sonnenuntergang endete, mit dem wir in Reichenthal Einzug hielten, wo uns nicht nur Robert Heinzle mit der Schenke zum wilden Wikinger und ausgezeichneten Kräuterkäseknödeln erwartete, auch der Bürgermeister und eine kleine Menschenmenge erhoffte (und kam auch in den Genuß) neue Stücke von Raban und Finia.Dass die Stücke von der neuen CD begeistert aufgenommen wurden bedarf nicht der Erwähnung.


So endet der erste Teil unserer Wanderung durch das wilde Mühlviertel, für den Autor zumindest ein Ausflug in unendliche Weiten, um neue noch nie gesehene Gefahren und Völker kennenzulernen.

 

Fortsetzung folgt, so Netbook, Telekom und Wetter mitspielen.

Gute Nacht und bis bald,

Euer Autor

 

(Jakob)